Weil sich das Lernen im Religionsunterricht auf Entwicklungsaufgaben der Schülerinnen und Schüler bezieht, ist es nicht angebracht, Lernbereiche wie „Das eigene Leben“, „Das Zusammenleben mit anderen“ und „Verantwortung für Welt und Schöpfung“ eigens auszuweisen. Freiheit und Aufgabe der Lehrerin oder des Lehrers ist es, die Lebensorientierung des fachlichen Lernens immer wieder neu herauszustellen bzw. am gegebenen Ort durch selbstgewählte Unterrichtssequenzen zu vertiefen.
Das aufbauende Lernen im Religionsunterricht wird gesichert durch Lernstränge. Sie strukturieren das Lernen nach fachspezifischen Schwerpunkten und werden ihrerseits durch Intentionen didaktisch entfaltet.
Lernstrang: Sprache der Religion
- aufmerksam werden auf die Differenz zwischen Sprache und Wirklichkeit und auf die Grenzen der Sprache (das Sagbare und das Unsagbare; die Sprache und die außersprachliche Wirklichkeit ...)
- Sprachformen kennen und Texte interpretieren, die ein bestimmtes Verständnis der Wirklichkeit aufbrechen und erweitern (z. B. Metapher, Gleichnis, Paradoxon, Via negationis)
- verschiedene Sprachspiele unterscheiden und im Ansatz die jeweilige Reichweite erfassen
- verstehen, dass Religion ohne Metaphern und Symbole sprachlos wäre
- aufmerksam werden auf Erfahrungen, die sich nur durch Gesten oder Symbole angemessen ausdrücken lassen
- Ambivalenz und Interpretationsbedürftigkeit von Symbolen erfassen
Lernstrang: Gott
- aufmerksam werden auf die Vielschichtigkeit und Offenheit dessen, was wir ‘Wirklichkeit’ nennen
- akzeptieren, dass der Begriff ‘Gott’ sich jeder Definition entzieht
- Metapher, Paradoxon, Oxymoron, Via negationis usw. als Versuche verstehen, dennoch von Gott zu sprechen
- unterschiedliche Bilder von Gott in der Bibel kennen
- erfassen, dass Gottesbilder geschichtlich bedingt sind und sich deshalb verändern
- an Beispielen die (ambivalente) Wirkung des Glaubens an Gott für Einzelne und für Gemeinschaften nachvollziehen
- aufmerksam werden auf Erscheinungen, die an die Stelle von Gottesvorstellungen treten können (alte und neue ‘Götzen’)
- die Auseinandersetzung mit Gott als Element der Selbstvergewisserung des Menschen interpretieren
- Konflikte zwischen neuzeitlichem Denken und Gottesvorstellungen der christlichen Theologie kennen und beurteilen
- einschätzen, welchen Streitwert die Frage nach Gott heute hat
- auf Gottesbilder in Kunst, Literatur, Musik und Film, in Theologie und Spiritualität aufmerksam werden und sie im Hinblick auf grundlegende Erfahrungen auslegen
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Lernstrang: Bibelverständnis
- die Bibel mit anderen Büchern vergleichen und ihre besonderen Merkmale erfassen
- sich in der Bibel zurechtfinden (Aufbau, Bücher, Zitationsweise)
- erkennen, dass die Bibel ein herausragender Baustein unserer Kultur ist (Wirkungen in Literatur und Kunst, in der Werbung, in Politik, Moral usw.)
- an Beispielen die Entstehungsgeschichte biblischer Schriften kennen lernen und als Auslegungshintergrund berücksichtigen
- kultur- und religionsgeschichtliche Zusammenhänge kennen, die für das Verständnis des Alten und Neuen Testaments bedeutsam sind
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Lernstrang: Altes Testament
- das Streben nach Freiheit und das Ringen um Gerechtigkeit als zentrale Motive des Alten Testaments wahrnehmen
- an Beispielen unterschiedliche Facetten entdecken, die das Bild von Gott im Alten Testament hat
- zentrale Themen, Motive und Gattungen des Alten Testaments kennen und interpretieren
- an ausgewählten Beispielen die reiche Wirkungsgeschichte alttestamentlicher Überlieferungen erfassen und interpretieren (Judentum, Kirche; Kunst, Literatur, Musik, Film ...)
- das Alte Testament auf dem Hintergrund der Geschichte des Volkes Israel verstehen
- den Stellenwert der Bibel Israels für Juden – auch für den Juden Jesus – und für Christen erfassen
- ausgewählte alttestamentliche Texte mehrdimensional auslegen und in Beziehung setzen zu heutigen Erfahrungen
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Lernstrang: Neues Testament
- exemplarische Texte des Neuen Testaments kennen und gattungsgerecht aus-legen
- mehrdimensionale und aktualisierende Auslegungsmöglichkeiten kennen (kreative Arbeit mit Bibeltexten)
- an Beispielen die Wirkungsgeschichte neutestamentlicher Texte verfolgen und bewerten (in Kirche, Gesellschaft und Politik, in Literatur, Kunst, Musik und Film)
- die Überlieferungen des NT als Texte verstehen, die den Glauben an Jesus Christus voraussetzen und zu diesem Glauben hinführen wollen
- sich auf der Suche nach dem ‘gelingenden Leben’ mit den Leidens- und Hoffnungsgeschichten des Neuen Testamentes auseinandersetzen
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Lernstrang: Jesus Christus
- Leben und Wirkung Jesu im Kontext des damaligen Judentums verstehen
- biblische und außerbiblische Erzählungen von Jesus Christus kennen und als Geschichten der Erlösung interpretieren
- im Ansatz unterscheiden zwischen dem historischen Jesus und den Christusbildern des Glaubens
- den Bedeutungswandel der Vorstellung vom ‘Sohn Gottes’ in der Antike nachvollziehen und seine Auswirkungen auf das Bild von Christus einschätzen
- Heilsbedürftigkeit und Glücksverlangen als Motiv der Suche nach Christus erfassen
- in zeitgenössischen Auseinandersetzungen mit Jesus Christus Identifikationsmöglichkeiten und Streitwert entdecken
Christusdarstellungen in Kunst, Literatur, Musik und Film, in Theologie und Spiritualität kennen und im Hinblick auf grundlegende Erfahrungen auslegen (Christus, der heilt, der mit anderen leidet, der lehrt, der befreit, der lebendig bleibt ...)
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Lernstrang: Ausdrucksformen des christlichen Glaubens
- erfassen, dass in der Kirche der Glaube der Einzelnen und der Glaube der Gemeinschaft wechselseitig voneinander abhängig sind
- verstehen, dass für Christen Glaubensüberzeugung und Handeln zusammengehören
- Sakramente als Zeichenhandlungen verstehen, die die Nähe Gottes vergegenwärtigen und zu einem christlichen Leben ermutigen wollen
- Erwartungen an die Kirche analysieren und mit dem Selbstverständnis und der Praxis der Kirche vergleichen
- Seel-Sorge als zentrale Leistung der Kirche erfassen (Gemeinschaftserfahrung, Lebensbegleitung, Förderung der Spiritualität, Feste und Brauchtum, kirchliche Kunst und Musik, neue geistliche Lieder...)
- Diakonie als Grundfunktion der Kirche wahrnehmen
- im Ansatz soziale und politische Aufgaben der Kirche kennen und diskutieren (z. B. Kirche als ethische Instanz; Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung)
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Lernstrang: Religionen
- ausgewählte Weltreligionen im Ansatz kennen und mit dem Christentum vergleichen
- am Beispiel einer fremden Religion Ausdrucksformen und Funktionen von Religion erfassen
- an ausgewählten Inhalten und Problemen die Innensicht und die Außensicht einer Religion unterscheiden
- Möglichkeiten und Grenzen der Toleranz zwischen den Religionen wahrnehmen und diskutieren
- die Verantwortung der Religionen für die Zukunft der Menschheit umschreiben und in ihrer Bedeutung beurteilen
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Lernstrang: Kirchengeschichte / Menschen der Kirche
- die heutige Ausprägung des Christentums als Ergebnis geschichtlicher Entwicklungen verstehen
- ausgewählte Stationen der Kirchengeschichte kennen und ihre Auswirkungen auf Kirche und Gesellschaft einschätzen
- das Verhältnis zwischen den Intentionen der Evangelien und dem geschichtlichen Handeln der Kirche untersuchen und diskutieren
- exemplarische Personen kennen, die die Nachfolge Jesu jeweils in ihrer Zeit gelebt haben
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Lernstrang: Kirchenbau
- die Gestaltung eines Kirchenraums bzw. eines Kirchengebäudes als Ausdruck und Verstärkung eines Lebensgefühls interpretieren
- Kirchengebäude als Veranschaulichung und als architektonische Interpretation des Glaubens verstehen
- an unterschiedlichen Baustilen von Kirchen den Wandel des Glaubensverständnisses nachvollziehen