Lehrplan Katholische Religion für das zweite Halbjahr der

Einführungsphase GOS [10.2]:

 

Die Anfänge (I): Israel und seine heiligen Schriften

 


Katholische Religion                                   2. Halbjahr der Einführungsphase GOS 

  

Die prägende Kraft des Exils für die jüdische Religion

 

·         die geschichtlichen Konturen des babylonischen Exils nachzeichnen

 

·         das babylonische Exil als ambivalente und zugleich grundlegende
Erfahrung für die Juden erfassen

 

·         nachvollziehen, dass im Exil mit Hilfe der Erzählungen des Buches Exodus eine „normative Vergangenheit“ (Jan Assmann) begründet wurde und dass dessen Erzählungen deshalb als Texte eines „mitlaufenden Anfangs“ zu lesen sind

 

·         ‘Exil’ und ‘Exodus’ als die beiden „Grund-Intervalle jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens“ (Schalom Ben-Chorin) begreifen

 

·         den Einfluss des Exils auf weitere wichtige Überlieferungen der Hebräischen Bibel erläutern

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

     Geschichte der Juden zwischen 586 und ca. 530 v. d. Z.: Krise nationaler und religiöser Identität

     Leben im Exil: eine ambivalente und tiefgreifende Erfahrung

     Wahrung der jüdischen Identität ohne
Tempel und König

     Folgen des Exils für Glaube und Theologie des Judentums

     ein oder zwei exemplarische biblische Texte zum Exil

 

 

Empfehlungen zur Bibellektüre

 

-   Auszüge aus der Josefs-erzählung (Gen 34-50)

 

-   ausgewählte Erzählungen des Buches Exodus

 

-   Ps 79; Ps 126; Ps 137

 

-   Ez 37; Jes 43; Klg 5

 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  Leben in einer fremden Kultur als Bedrohung der Identität und - dialektisch dazu - als Erweiterung der Lebensmöglichkeiten sehen lernen

 

§  sich hineinversetzen in die Situation von Exilanten und Empathie entwickeln für ihre Schicksale und ihre Probleme

 

§  Respekt entwickeln für die kulturelle und religiöse Leistung der deportierten Juden
angesichts der Erfahrungen des Exils

 

§  ...

 

 


 

Katholische Religion                                   2. Halbjahr der Einführungsphase GOS

 

Die Gegenwart des Mythos

 

·         engere und weitere Bedeutungen des Begriffs ‘Mythos’ unterscheiden

 

·         unter ‘Mythen’ Formen ‘kollektiver Erinnerung’ verstehen, die Identität schaffen und dazu verhelfen, die Gegenwart zu deuten und auf Zukunft hin zu leben

 

·         an einem Beispiel die Leistung der mythisch-fiktionalen Erzählung bei der
Ausbildung von individueller und / oder kollektiver Identität erkennen

 

·         Verständigung darüber erzielen, inwiefern der Mythos ‘wahr’ ist

 

·         den Mythos als die genuine Sprache der Religion begreifen

 

·         erfassen, dass die heutige Auseinandersetzung mit biblischen Texten sich im Stadium des „gebrochenen Mythos“ (Paul Tillich) bzw. der „zweiten Naivität“ (Paul Ricœur) vollzieht

 

·         ‘Mythen der Moderne’ in ihrer Bedeutung für die gegenwärtige Kultur wahrnehmen

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      Begriff und Kennzeichen des Mythos

 

      Mythos als gemeinschafts- und identitätsstiftende Rede: Beispiele

 

      Angewiesensein religiöser Kommunikation auf den Mythos

 

      „ungebrochener“ / „gebrochener
Mythos“

 

      neuzeitliche Vorbehalte gegenüber dem Mythos; Renaissance des Mythos

 

      Mythen der Moderne

 

Empfehlungen zur Bibellektüre

 

-    ‘Exodus’ als Grund-Mythos Israels;

 

-    priesterliche Schöpfungserzählung oder Meerwundererzählung in der Krise der (Nach-) Exilszeit;

 

-    Psalmen (Ps 90; Ps 139 u. a.) als
Ausdruck eines dankbaren Grund-vertrauens

 

 

 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  den Reiz archaischer Mythen auf sich wirken lassen

 

§  die Polarität von aufklärerisch-rationalen und mythischen Zugängen zur Wirklichkeit akzeptieren und als Bereicherung erfahren

 

§  bereit werden, mythische Überlieferungen einzubeziehen in die Konstruktion des eigenen Weltbildes und in die Interpretation des eigenen Lebens

 

§  ...

 

 


 



Katholische Religion                                  2. Halbjahr der Einführungsphase GOS 

 

Der Eine Gott und die Götter

 

·         Spuren eines Polytheismus in der Hebräischen Bibel wahrnehmen und erkennen, wie JHWH nach und nach die Eigenschaften anderer Götter in sich aufnimmt und so seine ‘Gotteskompetenz’ erweitert

 

·         nachvollziehen, dass dem Gott JHWH bereits ursprünglich Eigenschaften
zugesprochen wurden, die es Israel erleichterten, einen Ein-Gott-Glauben zu
entwickeln

 

·         auf eine Bedrohung von außen (Assur im 8./7. Jh. v. Chr.) die Bewegung zurückführen, die JHWH zunehmend als Gegengott gegen die Nachbarvölker zu profilieren und fremde Einflüsse zu bekämpfen versucht („JHWH-allein-Bewegung“)

 

·         erkennen, dass im Bekenntnis zu JHWH, der sich in einzigartiger Weise an Israel gebunden hat, die JHWH-Religion – nach außen – zum Motor des politischen Widerstands gegen Unterdrückung und Fremdherrschaft wird

 

·         nachvollziehen, wie im Zuge der Durchsetzung dieses Ausschließlichkeitsanspruches der Gott JHWH – nach innen – an die Stelle des ‘Staates’ und seines Heilsanspruches tritt

 

·         die Herausbildung der ethischen Grundüberzeugungen Israels als Ausdruck seiner „Liebe” (Dtn 6,5f) zu diesem einzigen Gott und ‘König’ verstehen

 

·         den Zusammenhang zwischen dem biblischen Bilderverbot (Ex 20,4; Dtn 5,8f) und der Festigung des Ein-Gott-Glaubens entdecken

 

·         die Auseinandersetzung mit der Katastrophe des Exils als letzten Anstoß zur Etablierung des Monotheismus in Israel wahrnehmen

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      vier ursprüngliche ‘Eigenschaften’ JHWHs (Einzelgottheit, personaler Bezug zu Israel, symbolische Ver‑dichtung der Sehnsucht nach Freiheit, Bildlosigkeit)

 

      Übernahme der Funktionen anderer Gottheiten durch JHWH (z. B. Schemesch, Baal, EI)

 

      Herausbildung einer Identität als Volk in der Berufung auf den befreienden Gott JHWH – gegen alle inhumanen Ansprüche von außen und innen

 

      Dtn 6,4-9

 

      Bilderverbot

 

 

Empfehlungen zur Bibellektüre

 

-     Ex 32

 

-     Dtn 6; Dtn 30

 

-     1 Kön 18f.

 

 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  Partei ergreifen gegen die inhumanen Ansprüche moderner ‘Götter’

 

§  ein Gespür für die Macht der Bilder entwickeln und zum angemessenen Umgang mit ihnen fähig werden

 

§  erahnen, dass die gelebte Beziehung zu Gott einen Weg zur inneren Freiheit
eröffnen und dadurch auch zu mutigem Verhalten gegen Machtmissbrauch,
Ausbeutung und Gewalt befähigen kann

 

§ 

 


 



Katholische Religion                                   2. Halbjahr der Einführungsphase GOS

 

‘Exil’ als grundlegende Erfahrung

 

·         an einem oder mehreren Beispielen Exilserfahrungen im 20. Jahrhundert oder in der Gegenwart kennen lernen

 

·         ‘Leben im Exil’ als wiederkehrende Grunderfahrung wahrnehmen und diese im Ansatz bewerten

 

·         Einstellungen der Exilanten und der Bürger der Gastländer differenzierter wahrnehmen und beurteilen

 

·         ‘Exil’ als Metapher für eine grundlegende menschliche Erfahrung begreifen
(‘Existentialmetapher’)

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      Exilsschicksale in der Nazizeit oder in
unserer Gesellschaft (evtl. auch:
Exilanten in der eigenen Schule oder in der Nachbarschaft)

 

      Exil als ambivalente und einschneidende Erfahrung

 

      ein oder zwei exemplarische biblische
Texte, die Exilserfahrungen spiegeln

 

      vielschichtige Erfahrungen und Wertungen des ‘Lebens im Exil’

 

 

Empfehlungen zur Bibellektüre

 

-    Ps 79; Ps 126; Ps 137

 

-    Ez 37; Jes 43; Klg 5

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  Leben in einer fremden Kultur als Bedrohung der Identität und - dialektisch dazu - als Erweiterung der Lebensmöglichkeiten sehen lernen

 

§  bereit werden, heutige Exilserfahrungen fair und anteilnehmend wahrzunehmen

 

§  aufgeschlossen werden für die Bedeutung von Heimatlosigkeit und Exil als existenziellen Grunderfahrungen

 

§  ...

 


 


Katholische Religion                                  2. Halbjahr der Einführungsphase GOS

 

„Das auserwählte Volk“

 

·         den ‘Auszug aus Ägypten’ als die (mythische) Geburtsstunde des Volkes Israel begreifen

 

·         wahrnehmen, dass die Erzählung vom Bundesschluss am Sinai die Selbstbezeichnung Israels als „Gottes auserwähltes Volk“ begründet

 

·         nachvollziehen, was die biblischen Erzähler mit dem Motiv der ‘Erwählung Israels’ zum Ausdruck bringen wollen: dass Israel sich für seinen Gott und damit für das Leben entscheiden (Dtn 30,19) und so Modell der Gottesherrschaft werden soll

 

·         verstehen, dass der Erwählungsgedanke in der Krise des Exils an Bedeutung gewann und die Identität Israels wahren half

 

·         erkennen, wie die Vorstellung der Erwählung das Selbstverständnis Israels in die Spannung zwischen ‘Partikularismus’ und ‘Universalismus’ stellt

 

·         die Bedeutung des Motivs der Erwählung für den Dialog zwischen Juden und Christen erfassen

 

·         an Beispielen aus der Neuzeit Wirkungen des Erwählungsgedankens wahrnehmen und bewerten

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      ausgewählte biblische Bezüge

 

      die Sinaierzählung Ex 19,1-16 als Begründung eines besonderen gegenseitigen Verhältnisses zwischen Gott und „seinem“ Volk

 

      der Zusammenhang zwischen der Exilserfahrung und dem Erwählungsgedanken:
als Gottes Volk gewinnt Israel inmitten der Völker eine neue kollektive Identität und eine spezifische Aufgabe

 

      Ansätze zu einer Neubestimmung des
Verhältnisses zwischen Christentum und Judentum (vgl. Röm 11,29)

 

Empfehlungen zur Bibellektüre

 

-    Dtn  4; Dtn 7; Dtn 10; Dtn 14

 

-    1 Kön 3

 

-    Ps 33; Ps 78; Ps 135

 

-    Jes 41; Ez 20

 

-    Röm 11

 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  für Chancen und Gefahren eines besonderen Sendungsbewusstseins sensibel werden

 

§  gegenüber Haltungen kultureller Überlegenheit eine kritische Einstellung gewinnen

 

§  den Mut entwickeln, antisemitischen Tendenzen im eigenen Umfeld und in der Gesellschaft entgegen zu treten

 

§  ...

 

 


 


Katholische Religion                                 2. Halbjahr der Einführungsphase GOS

 

Weisungen zum Leben: Der Dekalog

 

·         den Dekalog in seiner doppelten Überlieferung in Ex 20 und Dtn 5 wahrnehmen und nach formalen und inhaltlichen Gemeinsamkeiten und Unterschieden fragen

 

·         erkennen, dass der Dekalog ältere Ge- bzw. Verbots-Formulierungen in generalisierender Form aufnimmt

 

·         in der überlieferten Fassung der ‘Zehn Gebote’ die begrenzte Perspektive einer bestimmten historischen Situation erkennen

 

·         den Verweis auf die Herausführung aus der Sklaverei als Leseanweisung verstehen: Das (bedingungslose!) Gottesgeschenk des Lebens und der Freiheit soll durch die Orientierung an den Geboten bewahrt werden.

 

·         sich darüber klar werden, was es bedeutet, dass der Dekalog Befreiung voraussetzt, sich an Befreite wendet

 

·         den Kern-Gedanken des Dekalogs formulieren und auf aktuelle Fragen anwenden

 

·         zeitgenössische Versuche einer Neuformulierung des Dekalogs kennen lernen und auf ihr jeweiliges Anliegen hin befragen

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      Dekalogfassungen Ex 20 / Dtn 5:
formale und inhaltliche Untersuchung

 

      Zusammenfassung und Generalisierung älterer Gebote

 

      der Dekalog: ein relativ junger Text

 

      vermuteter Entstehungshintergrund im
Israel des 7. Jhd.s v. Chr.

 

      die Präambel

 

      die Kern-Aussage des Dekalogs

 

      Versuche einer Aktualisierung des Dekalogs in der Gegenwart: literarisch, künstlerisch, theologisch...

 

Empfehlungen zur Bibellektüre

 

-       Dtn 6; Dtn 30

 

-       Mk 12

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  bereit werden zu klären, wofür man lebt

 

§  sich um ein eigenständiges Urteil bemühen und dementsprechend zu handeln versuchen

 

§  den Mut aufbringen, ethische Maßstäbe, die man als richtig erkannt hat, im Gespräch mit anderen zu vertreten

 

§  ...