Die Anfänge (II): Von der Bewegung um Jesus zu den Gemeinden des Christus

 


Katholische Religion                                                         1. Halbjahr der Hauptphase

 

Der Jude Jesus und seine Bewegung

 

·      die Bedeutung der Frage nach dem „historischen Jesus“ verstehen und in der sozialgeschichtlichen Annäherung an die Jesusbewegung einen vielversprechenden Zugang erkennen

 

·      die politisch-sozialen Faktoren jener Krise der jüdisch-palästinischen Gesellschaft beschreiben, aus der die Jesusbewegung hervorging und auf die sie reagierte

 

·      Jesus als charismatischen Führer einer innerjüdischen Erneuerungsbewegung begreifen und ihn in diesem Kontext interpretieren

 

·      den Glauben an die (Königs-)Herrschaft Gottes als eine Grundüberzeugung Israels
wahrnehmen

 

·      in der Botschaft von der Gegenwart der Gottesherrschaft die Leitidee der Jesusbewegung erkennen

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      die Frage nach dem „historischen Jesus“ und ihre Grenzen

 

      die Krise der jüdisch-palästinischen Gesellschaft um die Zeitenwende

 

      Jesus als charismatischer Begründer und Führer einer Erneuerungsbewegung innerhalb des Judentums

 

      Zusammensetzung, Organisation und
Lebensweise der Jesusbewegung

 

      Aspekte der Königsherrschaft JHWHs:

·     JHWH ist Allherrscher in Schöpfung und Geschichte (Ps 93; 95-99).

·     David ist sein Repräsentant auf Erden
(Ps 89).

·     JHWH ist endzeitlicher Friedensherrscher
(Jes 11,1-9).

·     Diesem König dienen heißt Gerechtigkeit üben (Jes 58,1-14).

 

      Beispiele für die Botschaft von der Gottesherrschaft (z. B. Mk 1,15; Mt 5,46f; Lk 6,32f; Mk 12,44; Mt 18,23ff; u. a.)

 

 

Verknüpfung mit anderen Lehrplanelementen:

    Zeit und Umwelt des NT
[Kl. 5]

    Das Judentum [Kl. 5]

    Jesus – der Jude [Kl. 7]

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  wahrnehmen und akzeptieren, dass Menschen auf politische und soziale Probleme aus religiöser Motivation reagieren

 

§  die Faszination charismatischer Aufbrüche nachempfinden und für ihre Gefahren wachsam bleiben

 

§  bereit werden, Person und Botschaft Jesu als Anfrage an die eigene Lebens-gestaltung zuzulassen

 

§  ...

 


 


Katholische Religion                                                         1. Halbjahr der Hauptphase

 

Gleichnisse - irritierende Geschichten von einer anderen Welt

 

·      aufzeigen, mit Hilfe welcher Gestaltungsmittel Gleichnisse die ‘Wirklichkeit mit
anderen Augen sehen lassen

 

·      begreifen, dass die Metapher „Herrschaft Gottes“ nur durch Gleichnisse ange-messen interpretiert werden kann

 

·      den biblischen Text, exemplarische Zeugnisse seiner Auslegungs- und/oder
Wirkungsgeschichte und heutige Erfahrungen miteinander ins Gespräch bringen

 

·      sich mit möglichen Spannungen zwischen der erzählten Welt der Gleichnisse und der heutigen Lebenswelt kreativ auseinander setzen

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      Klärung der Textgestalt an einem Gleichnis

 

      ausgewählte Gleichnisse, z. B. vom Sämann (Mk 4,1-9), vom Wachsen der Saat (Mk 4,26-29), vom Senfkorn (Mk 4,30-32) und Sauerteig (Mt 13,33) und vom Schatz im Acker Mt 13,44-46)

 

      Gleichnisse als narrative Theologie, die nicht durch andere Aussageformen ersetzt werden kann

 

      z. B. psychologische, politisch-soziale, theologische Interpretation und/oder Wirkungsgeschichte des betreffenden Gleichnisses in Kunst, Literatur, Musik etc.

 

 

Verknüpfung mit anderen Lehrplanelementen:

    Die Metapher [Kl. 5]

   Gleichnisse [Kl. 6]

 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  bereit werden, eigene Einstellungen im Dialog mit Gleichnissen zu klären und
weiterzuentwickeln

 

§  neugierig darauf werden, wie sich durch Metaphern und Gleichnisse Ausdrucksmöglichkeiten erweitern lassen

 

§  Freude am kulturellen Diskurs entwickeln

 

§  ...

 

 


 


Katholische Religion                                                         1. Halbjahr der Hauptphase

 

„Abba, Vater“ – der Gott Jesu

 

·      erfassen, dass die Gottesbilder Jesu in den heiligen Schriften Israels und der jüdischen Tradition wurzeln

 

·      die „abba“-Anrede Jesu als Bekenntnis zu einem Gott verstehen, der vor allem ein liebender und fürsorgender ‘Vater’ ist

 

·      die Wechselbeziehung zwischen der Gottesanrede „abba“ und Jesu Hinwendung zu den Armen und Ausgestoßenen erkennen

 

·      die frühchristliche Proklamation Christi zum ‚Weltenrichter‘ als Konsequenz dieses ethischen Anspruchs deuten (Mt 25)

 

·      den Gottessohn-Titel Jesu als Versuch der frühen Gemeinden verstehen, ihrem Glauben an die einzigartige Gottesbeziehung und (Heils-) Bedeutung Jesu Ausdruck zu geben

 

·      eine heutige Deutung des besonderen Verhältnisses zwischen Jesus und ‘seinem Gott’ kennen lernen

 

·      Interpretationsansätze erläutern, die Jesus von Nazareth als den Menschen verstehen, der mit seinem Leben immer wieder aufs Neue Gott ‘zur Sprache bringt’ und dabei zugleich Anfrage und Einladung ist

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      Der Gott Jesu ist der „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, der Eine Gott des „Höre Israel!“, der seinem Volk das Gesetz gegeben hat, um ihm Leben und Freiheit zu bewahren.

 

      Beispiele für die „abba“-Anrede Jesu in ihrem jeweiligen neutestamentlichen Kontext

 

      ein Heilungswunder oder eine Jesus-Begegnung

 

 

 

      das Vater-Sohn-Verhältnis im biblischen Kontext: Zuwendung – Verantwortung – Rechenschaft

 

      der Gottessohn-Titel in seinem religionsgeschichtlichen und alttestamentlichen Kontext; Jesus, der Sohn Gottes, im Neuen Testament

 

      eine moderne Christus-Deutung

 

      Jesus als Metapher bzw. Gleichnis Gottes; er legt Gott durch sein Leben und durch seine Worte aus (Joh 1,18); er bringt Gott zur Sprache.

 

 

-    Mk 12,26 / Mk 10,18 / Mk 12,29 / Mk 12,29-31; 10,17-22

 

 

 

-    Mk 14,36; Mk 11,25; Lk 11,11-13; Lk 12,32; Mt 5,43-48; ... Lk 15,11-32; Mt 20,1-15

 

 

-    z. B.: die „Begegnung Jesu mit der Sünderin“ (Lk 7,36-50) oder „Jesus und die Ehebrecherin“ (Joh 8,2-11)

 

 

-    z. B.: 2 Sam 7,14f / Spr 3,12 /

Mal 2,10 / „Vom Weltgericht“ (Mt 25,31-46)

 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  der emotionalen Gestimmtheit des eigenen Lebens nachspüren (Weltvertrauen vs.
Weltangst)

 

§  aufmerksam werden auf Erfahrungen bedingungslosen Vertrauens

 

§  bereit werden, das eigene Bild von Jesus Christus zu klären

 

§  ...

 


 


Katholische Religion                                                         1. Halbjahr der Hauptphase

 

Leben über den ‘Tod’ hinaus? – Begegnungen, die lebendig machen

 

·         Streitwert und Klärungsbedürftigkeit des Auferstehungsglaubens heute wahrnehmen und diskutieren

 

·         Aufkommen einer Auferstehungsvorstellung in späten Texten des Alten Testamentes nachvollziehen

 

·         neutestamentliche Aussagen zur Auferstehung sichten und vergleichen

 

·         das älteste Auferstehungs-Bekenntnis („Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“) vor dem Hintergrund der jüdischen Apokalyptik deuten können

 

·         an einer ausgewählten Perikope aufzeigen, dass die Auferstehungsvorstellungen in den Evangelien auch von der Situation der jeweiligen Gemeinde her verstanden werden können

 

·         auf den Unterschied zwischen Körper und Leib in der biblischen Sprache aufmerksam werden und erfassen, dass mit dem Ausdruck „Auferstehung des Leibes“ nicht die Wiederbelebung eines toten Körpers gemeint ist

 

·          ‘Auferstehung’ als metaphorische Artikulation des Aufbegehrens gegen die Endgültigkeit des Todes verstehen

 

·         heutige Vorstellungen von Auferstehung charakterisieren und in ihrer Tragweite beurteilen

 

Verbindliche Inhalte

 

      Positionen zur Auferstehung Christi: vor allem „historisch-faktisch“ vs. „symbolisch“

 

      z. B. Makkabäer, Ezechiel, Daniel

 

      Bekenntnisformeln; Erzählungen vom leeren Grab; Erscheinungs-„Berichte“; der Vorrang der Bekenntnisformeln vor den Erscheinungs-„Berichten“

 

      Apokalyptik: Interpretation einer krisenhaft erfahrenen Gegenwart als End-Zeit; urchristliche Deutung der ‘Auferweckung Jesu durch Gott’: als Beginn einer Zeiten-Wende; als machtvolle Tat Gottes; als end-gültige Selbstmitteilung Gottes

 

      z. B. Mk 16,4-8, Mt 28,16-20; Lk 24,13-35; Joh 20,1-18; 1 Kor 15,1-38

 

      Unterscheidung von ‘soma’ und ‘sarx’ (vgl. Mk 12,18-27)

 

      Bilder, Gedichte, Lieder, Texte zum Thema „Auferstehung“

 

      Reinkarnationslehre vs. christlicher Auferstehungsglaube

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  die Frage nach dem Tod als Grundfrage der eigenen Existenz mit all ihren
Ängsten und Hoffnungen wahrnehmen

 

§  den Reiz der Endlichkeit entdecken und der Verlockung eines Traums vom
Ewigen Leben nachspüren

 

§  die Notwendigkeit erkennen, sich mit Phänomenen wie Reinkarnationslehre,
Jenseits-„Wissen“, apokalyptische Extreme, Nahtod-„Erfahrungen“ kritisch auseinander zu setzen

 

§  ...

 


 


Katholische Religion                                                         1. Halbjahr der Hauptphase

 

Vielfalt und Einheit: Erste christliche Gemeinschaften

 

·      sich bewusst machen, dass sich heutige Vorstellungen von Kirche nicht auf die ersten Jahrhunderte nach Jesu Tod übertragen lassen

 

·      nachvollziehen, dass die Grenze zwischen ‘Judentum’ und ‘Christentum’ in den ersten drei Jahrhunderten so verschwommen war, „dass niemand genau sagen könnte, wo das eine aufhörte und das andere begann“ (Daniel Boyarin)

 

·      erfassen, dass die frühen Gemeinden vor allem die Fragen zu klären hatten, welche Bedeutung Jesus Christus für sie hat und welche Beziehung zwischen ihm und der Glaubenstradition Israels besteht

 

·      wahrnehmen, dass sich unter den Christusgläubigen je nach den sozialen und
kulturellen Bedingungen unterschiedliche Gemeindeformen und theologische
Auffassungen herausbildeten

 

·      die Vielfalt des frühchristlichen Schrifttums als Niederschlag jener Pluralität interpretieren, in der sich christlicher Glaube Ausdruck verschaffte

 

·      die Festlegung der Verbindlichkeit von Schriften als einen komplexen Prozess begreifen, der der Grenzziehung und dadurch der Identitätsstiftung diente

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      Unterschiede zwischen der heutigen institutionellen
Gestalt der Kirche und dem sog. Urchristentum in den ersten Jahrhunderten (z. B. bzgl. Kirchengebäude,
Weihepriester, zentrale Leitung, Kirchenordnung; Bibel, definierte Sakramente …)

 

      die frühchristlichen Gemeinden als neue Gemeinschaft von ‘Judäern’ und ‘Griechen’, die weitgehend in der
jüdischen Tradition beheimatet war und sich von ihr in
einem langen und komplexen Prozess löste

 

      die Heilsbedeutung des Christus vor dem Hintergrund der Glaubensvorstellungen Israels (strenger Monotheismus) als Kernfrage der frühen Gemeinden

 

      Vielfalt der Gemeindeformen in den ersten Jahrhunderten (z. B. die verschiedenen Gemeindemodelle im NT)

 

      ausgewählte Beispiele unterschiedlicher „Theologien“ im frühchristlichen Schrifttum (z. B. in den Evangelien)

 

      die Kanonbildung des AT und NT und die Ambivalenz dieses Prozesses

 

 

Verknüpfung mit anderen Lehrplanelementen:

Ausbreitung, Verfolgung, Wende [Kl. 6]

Entstehung des Neuen Testaments [Kl. 8]

Jesus – der Christus [Kl. 9]

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  gegenüber allzu einfachen Erklärungsmustern für komplexe historische Prozesse
misstrauisch werden

 

§  Vielfalt als Ausdruck von Lebendigkeit und als Bereicherung menschlichen
Zusammenlebens schätzen lernen

 

§  ein angemessenes Verhältnis zu Institutionalisierungs- und Kanonisierungs-prozessen entwickeln

§ 

 

 


 


Katholische Religion                                                         1. Halbjahr der Hauptphase

 

Das „Reich Gottes“ leben – zum Befreien befreit

 

·      erfassen, dass in der Perspektive der Bibel die Erfahrung der bedingungslosen Güte Gottes dem guten Handeln vorausgeht und es ermöglicht

 

·      wahrnehmen, dass die Herrschaft Gottes keine bloße Idee ist, sondern nach
praktischer Bewährung verlangt: das „Reich Gottes“ scheint in Gemeinschaften auf, in denen einer dem anderen hilft, freier, wahrhaftiger und liebesfähiger zu werden

 

·      an Beispielen aus den Evangelien aufzeigen, wie das Handeln Jesu und seine Vorstellung von der „Gottesherrschaft“ sich wechselseitig auslegen

 

·      der Frage nachgehen, inwieweit Worte und Taten Jesu als Prinzipien einer allgemeinen Ethik gelten können

 

·      Beispiele dafür entdecken, dass einzelne Menschen bzw. Gruppen heute im Sinne der „Gottesherrschaft“ handeln

 

Verbindliche Inhalte

 

 

      z. B. Jes 44,22; Mk 1,15; Lk 17,20-21

 

      z. B. Mt 7,21.24-27; Lk 19,1-10

 

      mögliche Beispiele:

·     Aggressionsüberwindung und Liebe zum Feind (Lk 6,27-36 par.; Mt 5,38- 48)

·     Liebe zu den Fremden (Lk 10,30-37)

·     Liebe zu den Sündern (Lk 7,36-50; 7,34)

 

      z. B. am Thema Gewaltverzicht überprüfen, inwiefern die Weisungen Jesu
generalisierbar sind

 

      z. B. Pax Christi, Mutter Teresa, Ruth Pfau, aber auch „Helden des Alltags“

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  Sinn dafür entwickeln, dass Leben mehr sein kann als Konsum, Unterhaltung und Ichbezogenheit

 

§  die Bereitschaft entwickeln, den Traum von einer gerechten Welt nicht aufzugeben

 

§  Engagement für andere wertschätzen und unterstützen

 

§  ...