Das Christentum vor den Herausforderungen der Gegenwart

 


Katholische Religion                                                         4. Halbjahr der Hauptphase

 

Globalisierung und Pluralisierung – die neue Unübersichtlichkeit

 

·         die anhaltende Entwicklung zur Ausdifferenzierung von Lebensstilen, Wert-haltungen und Selbstentwürfen wahrnehmen  

 

·         hinter dem Schlagwort „Globalisierung“ komplexe und ambivalente Prozesse
erkennen

 

·         begreifen, dass in der Globalisierung Vereinheitlichung und Pluralisierung als
gegenläufige Tendenzen angelegt sind

 

·         wahrnehmen, dass zum Teil widerstreitende religiöse Phänomene der Gegenwart vor allem im Kontext dieser Spannung zu verstehen sind

 

 

Verbindliche Inhalte

 

 

     Pluralisierung und Individualisierung (z. B. Jugendalter als vielgestaltige und autonome Lebensform, moderne Jugendkulturen und deren gesellschaftliche Ausdeutung; neue Lebensstile und Werthaltungen; Medienkonsum und Medienkultur)  

 

      die vielen Gesichter der Globalisierung (z. B. wirtschaftlich, politisch, sozio-kulturell); Ambivalenzen der weltweiten Vernetzung durch Internet und Massenmedien (z. B. ungleiche Verteilung der Zugangsmöglichkeiten, Chancen des ein-fachen Wissenstransfers und Lernens, aber auch Verbreitung krimineller Inhalte)

 

     widersprüchlicher Effekt der sozio-kulturellen Globalisierung: Trend zur Verein-heitlichung und Universalisierung (etwa des Zivilisationsmodell der westlichen
Moderne), zugleich Pluralisierung von Weltbildern, Werten und Formen sozialen Zusammenlebens durch Begegnung mit anderen Kulturen; Partikularisierung als Gegenbewegung zu einer kommerziell orientierten Welteinheitskultur 

 

      z. B. partieller Bedeutungsverlust der Kirchen in der westlichen Welt; religiöser Synkretismus; „säkulare Religiosität“, Eventreligion; religiöser Fundamentalismus

 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  den eigenen Lebensstil in einer pluralisierten Lebenswelt finden

 

§  Möglichkeiten und Grenzen verantwortlichen Handelns einschätzen lernen

§  aufmerksam werden auf die hohe Ambivalenz religiöser Symbolsprachen

 

§ 

 

 


 


Katholische Religion                                                         4. Halbjahr der Hauptphase

 

Ritual und Ritus

 

·      wahrnehmen, wie rituelle Handlungen das individuelle Verhalten und das
menschliche Miteinander prägen

 

·      zentrale Merkmale und Funktionen von Riten und Ritualen beschreiben

 

·      begreifen, dass die symbolische Formensprache der Rituale an Grundfragen der
menschlichen Existenz rührt und der Sinnerschließung dient

 

·      die mögliche Bedeutung von Ritualen an den Lebenswenden nachvollziehen 

 

·      die Gefahr der ideologischen Instrumentalisierung und die Notwendigkeit kritischer
Überprüfung von Ritualen erkennen 

 

Verbindliche Inhalte

Vorschläge und Hinweise

 

      z. B. persönliche Alltagsrituale, Familienrituale, rituelle Abläufe von Festen und gesellschaftlichen Veranstaltungen

 

      Kriterien (z. B. Regelmäßigkeit, Formensprache), Begriff und Funktionen (z. B. Rhythmisierung, Identitätsbildung, Erinnerung und Vergegenwärtigung) von Riten und Ritualen

 

      Rituale als „Fenster zur Transzendenz“ (z. B. Sakramente) und Wege zur Erschließung des „Übersinns“ (Viktor Frankl)

 

      eine ausgewählte kirchliche Ritualpraxis:
z. B. zur Geburt (Taufe), zum Leben (Firmung / Hochzeit / Weihen), zum Tod (Trauerriten)

 

      z. B. Missbrauch von Ritualen in totalitären Systemen; Erneuerung der Liturgie

 

 

 

 

 

 

Möglicher Rückgriff auf die Lehrplanthemen :

    Die Metapher (Kl. 5)

    Das Symbol (Kl. 6)

    Sakramente: Taufe / Eucharistie (Kl. 7)

    Die Gegenwart des Mythos (Kurshalbjahr 10.2)

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  auf das menschliche Grundbedürfnis aufmerksam werden, Zeit zu strukturieren und (sinnvoll) zu gestalten

 

§  offen sein für die spirituelle Dimension von Ritualen

 

§  achtsam sein gegenüber einem möglichen Missbrauch von Ritualen

 

§ 

 

 


 


Katholische Religion                                                         4. Halbjahr der Hauptphase

 

Heute verantwortlich von Gott sprechen?

 

·         die Unübersichtlichkeit und Widersprüchlichkeit gegenwärtiger Wahrnehmung von Welt und Religion in Umrissen skizzieren

 

·         Gottesvorstellungen der jüdischen und christlichen Tradition vor dem Hintergrund dieser Zeitdiagnose auf ihre Plausibilität hin überprüfen

 

·         die neuzeitliche Kontroverse zwischen Religion und Naturwissenschaft in ihrer Bedeutung für ein sinnvolles ‘Reden von Gott’ kritisch hinterfragen

 

·         den ‘klassischen’ Atheismus und die Shoa als die Katalysatoren eines neuen ‘Nachdenkens über Gott’ wahrnehmen

 

·         Kriterien und mögliche Funktionen eines heute sinnvollen ‘Redens von Gott’
erarbeiten

 

·         einen Versuch kennen lernen, unter gegenwärtigen Bedingungen (theologisch) sinnvoll von Gott zu sprechen

 

Verbindliche Inhalte

 

 

      Signaturen’ der sog. Postmoderne

 

      z. B. biblische Gottesbilder, Gott als Vater, Dreifaltiger Gott, Gottesbilder der
Mystik

 

      Schein-Widerspruch zwischen Religion und Naturwissenschaften: je eigene Perspektiven zur Weltdeutung (unterschiedliches Erkenntnisinteresse, unterschiedliche Verfahren auf ‘Wirklichkeit’ zugreifen, unterschiedliche Sprachspiele, ...)

 

      A-theistische Gottesbilder; Gott-ist-tot-Theologie; Gottesrede nach Auschwitz

 

      je zwei Kriterien und Funktionen, abhängig von der Schwerpunktsetzung

 

      z. B. Dorothee Sölle, Hans Küng, Peter L. Berger, Andreas Benk

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  das Wagnis eines eigenen ‘Redens von Gott’ trotz aller Unübersichtlichkeit und Widersprüche des Lebens immer wieder neu eingehen

 

§  die Verantwortung wahrnehmen, die sich daraus ergibt, dass wir als Nach-geborene der Shoa von Gott sprechen

 

§  akzeptieren, dass Zweifel und Anfechtungen zur Erfahrung von Menschen
gehören, die auf der Suche nach Gott sind

 

§  ...

 


 


Katholische Religion                                                         4. Halbjahr der Hauptphase

 

Du sollst dir kein Menschen-Bild machen

 

·         die Frage nach dem Menschen als sowohl individuell wie gesellschaftlich-politisch
bedeutsam wahrnehmen

 

·         erkennen, dass Bilder von Menschen – individuell wie kollektiv – unser Verhalten bestimmen und darum kritisch zu überprüfen und u. U. zu entmächtigen sind

 

·         verstehen, dass der Mensch sich selbst letztlich verborgen bleibt und sein Wesen nie abschließend feststellbar ist

 

·         die Bedeutung der biblischen Rede von der Gottesbildlichkeit und Geschöpflichkeit des Menschen im Blick auf heutige Fragestellungen ausloten

 

 

Verbindliche Inhalte

 

 

     Der Mensch macht sich selbst zum Thema: z. B. Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Wer sind wir? Wer wollen wir sein?; Streit um das Menschsein im Zusammenhang mit politischen und gesetzlichen Entscheidungen (z. B. in Fragen der Biogenetik)

 

      die Manipulation oder Ausgrenzung eines Einzelnen oder einer Menschengruppe durch die Festlegung auf bestimmte Bilder und Vorstellungen (z. B. die Unterdrückung von Juden, Fremden, Frauen)

 

      die „Unergründlichkeit des Menschen“, der homo absconditus (Helmuth Plessner)

 

      ein ausgewählter Themenbereich vor dem Hintergrund von Gen 1,26-28: z. B. der Mensch (Mann und Frau) als Repräsentant Gottes; Gottesbildlichkeit und Menschenwürde; die Übertragung des Bilderverbots auf den Menschen; der Rang der Leiblichkeit in der biblischen Sicht vom Menschen vs. Spaltung von Körper und Geist (der Mensch als „Maschine“, anthropologischer Reduktionismus) 

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  dem Fragen nach sich selbst und nach dem Sinn des eigenen Lebens Raum
geben 

 

§  wachsam sein gegenüber Strömungen, die Menschen auf bestimmte Bilder und Vorstellung reduzieren

 

§  sich nicht mit menschenunwürdigen Zuständen unserer Welt abfinden

 

§ 

 

 

 


 


Katholische Religion                                                         4. Halbjahr der Hauptphase

 

Die „Zeichen der Zeit“ erkennen: Kirche in der Welt von heute

 

·         die Verbreitung und Situation der katholischen Kirche in verschiedenen Teilen der Welt wahrnehmen

 

·         mögliche Ursachen der Kirchenkrise in der ‘westlichen’ Welt aufzeigen

 

·         theologische Neuansätze und Gemeindemodelle der Kirche in der sogenannten ‘Dritten Welt’ als Anregung und Herausforderung begreifen

 

·         im Kirchenverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils das Leitbild für inno-vative pastorale Angebote und neue geistliche Bewegungen erkennen

 

Verbindliche Inhalte

 

 

      Ambivalenz: z. B. Wachsen der Kirche vs. Schrumpfen der Kirche; soziale und politische Bedeutung vs. Bedeutungsverlust bzw. Bedeutungsverschiebung

 

      Signaturen der Kirchenkrise: soziale Faktoren wie Milieuverlust; Erlebnis-,
Mediengesellschaft; Leistungsgesellschaft; Individualisierung, Pluralisierung,
‘Ersatzangebote’; kirchliche Faktoren wie Reichtum, Macht, Hierarchie, …

 

      Theologie der Befreiung: Inkulturation, ‘Option für die Armen’, Basisgemeinden;
o. ä.

 

     Umsetzung der Communio-Ekklesiologie und der Volk-Gottes-Theologie in Basisgemeinden, in Kleinen Christlichen Gemeinschaften (KCG); Initiativen einzelner Bistümer (z. B. des Bistums Erfurt)

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

§  die Frage nach dem eigenen Glaubensweg wach halten

 

§  kirchliche Entwicklungen und Prozesse aufmerksam und interessiert begleiten

 

§  die Verwiesenheit des Menschen auf Gemeinschaft als gewinnbringend erfahren

 

 

§ 

 

 


 


Katholische Religion                                                         4. Halbjahr der Hauptphase

 

Auf der Suche nach einem gemeinsamen Menschheitsethos 

 

·         die Aktualität des interreligiösen Dialogs und der Auseinandersetzung um die Rolle der Religionen in der globalisierten Welt wahrnehmen

 

·         Gründe für die Forderung nach einem globalen, alle Kulturen, Gesellschaften und Nationen überspannenden Kodex moralischer Regeln und Wertvorstellungen (World bzw. Global Ethic) verstehen 

 

·         Entstehung, Bedeutung und Entwicklung des ‘Projekts Weltethos in Grundzügen kennen

 

·         Chancen und Grenzen des Versuchs einschätzen, die ethischen Grundforderungen der Weltreligionen zu einem knappen Regelwerk zu bündeln, das als globales Ethos von allen akzeptiert werden kann  

 

Verbindliche Inhalte

 

 

     gegenwärtige Bemühungen im interreligiösen Dialog und seine tragenden Institutionen; Positionen: „Religionen als Ursache von kriegerischen Konflikten“, „Gefahr eines Clash of Civilisations’“ (Huntington), „Religionen als Ressourcen einer neuen moralischen Kultur“ (Küng)

 

      Notwendigkeit einer neuen Weltordnung (Völkerrecht, Vereinte Nationen, weltweite Krisen) und eines moralischen Grundkonsenses als Basis dieser Weltordnung, Menschenrechtsproblematik, …

 

     Grundlage und Inhalt von Küngs ‘Projekt Weltethos; die “Erklärung zum Weltethos“ des Parlaments der Religionen (Chicago 1993); die Fortführung des Prozesses und die Arbeit der Stiftung Weltethos

 

      Übereinstimmungen bei moralischen Grundmaximen (z. B. Goldene Regel), allgemeinen Werten (z. B. Personwürde) und Grundregeln (z. B. Tötungsverbot) im Ethos der Religionen und Philosophien vs. Unterschiede in den Begründungsdiskursen (z. B. M. Walzer, J. Rawls, J. Habermas); Abstraktheit der inhaltlichen Füllung eines gemeinsamen Ethos

 

Mögliche Verknüpfungen mit den Entwicklungsaufgaben

 

 

§  offen sein für eine globale Betrachtungsweise gegenwärtiger Entwicklungen

 

§  aufmerksam werden auf die Ambivalenz religiöser Symbolsprachen

 

§  bereit sein, sich für eine gerechtere Weltordnung zu engagieren

 

§